Autor Thema: Kirksaeter-Receiver  (Gelesen 6653 mal)

Offline Agfa-Band

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Kirksaeter-Receiver
« am: 07. Apr. 2006, 14:36 »
Hallo,

wer kann etwas zu Kirksaeter-Receivern sagen? Empfang, Qualität, Firmenhistorie, etc.

Sie erinnern vom Design her an Tandberg, werden ungleich seltener angeboten, aber dennoch im Vergleich zu Tandberg zu Aldi-Preisen verhökert. In letzter Zeit waren ein paar bei ebay, die für 30-40 Euro über den Tresen gingen. Reelle Preise oder doch unter Wert?

Gruß, Niko
Ich höre mit Dual 1214, Neckermann stereo recorder und Graetz Astrid.

Offline hanns-d.pizonka

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Re: Kirksaeter-Receiver
« Antwort #1 am: 07. Apr. 2006, 23:49 »
Hallo Niko,

alles verdammt lang her, meine Erinnerung an den Kirksaeter-Laden/Fabrik (!! haha) ist eine sehr gemischte. War alles Ende der sechziger Jahre bis in die Mitte der siebziger hinein und mit viel Stress verbunden. Die handgeschmiedeten Geräte litten unter den Problemen der Schnelligkeit mit denen die kalten Lötstellen unter Dauerbetrieb im Endstufenteil ihre restliche Leitfähigkeit wenige Wochen nach Verlassen des Werkes (bestand einschliesslich Per Kirkaeter aus weniger als zehn Personen) verloren und ich deshalb die Klosterstrasse 2 oder 4(? ich glaube so hiess sie wirklich) in Düsseldorf kennen lernen musste. Aus der Receiver-Reihe unbedingt zu empfehlen vom RTX 700 an aufwärts. Den Compact 3000 habe ich mir 1969 (??) gekauft. Sollte der erste preiswerte KIRKSATER  sein, der mich aber nur wenige Monate erfreut hat. Dann getrennte Kombination aus Tuner und Verstärker bestehend. Obwohl wir damals in bescheiden Stückzahlen (zwanzig bis fünfzig Geräte) eingekauft haben, kann ich mich leider immer noch an viel zu lange Lieferzeiten erinnern. Du findest im Anhang ein Bild meines RTX 400 (alt und mit Gehäusekratzern, steht heute noch in meiner Sammlung) mit dem hüschen Spruch auf der Tuner-Skala: HANDMADE IN GERMANY - ja wie den sonst, die Tische waren fünf und mehr Meter lang und es wurden so an die zwanzig Geräte gleichzeitig von zwei geübten Mitarbeitern in die Hifiwelt hineingeboren. Frontend und ZF-Platine bei den Empfangsteilen waren immer Fertig-Bausteine von Görler, die sich bei gutem Abgleich zu Höchstleistungen aufraffen konnten. Die Endstufen waren eine Eigenentwicklung (wie der Entwickler hiess, könnte heute noch der Guido Erdmann wissen. Das Erdmännchen hat viele viele Jahre den Vertrieb gemacht und organisiert).

Ich halte KIRKSEATER heute noch für ein wichtiges deutsches Hifi-Produkt, das eine Fangemeinde wert ist und vor der Vergessenheit bewahrt werden muss. Wie schon gesagt, such nach einem RTX 700, der spielt und komplett ist; die Knöpfe gingen damals gern verloren.

MFG
Hanns-D.
« Letzte Änderung: 08. Apr. 2006, 01:30 von hanns-d.pizonka »

Offline Agfa-Band

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Re: Kirksaeter-Receiver
« Antwort #2 am: 08. Apr. 2006, 08:11 »
Hallo Hanns,

danke für diese sehr informative Antwort. Wieder was dazu gelernt, genau wie bei der 301er. Ich werde in Kürze mal nach Kirksaeter-Receivern Ausschau halten, die werden viel zu niedrig gehandelt, da könnte man gut einkaufen...

Gruß, Niko
Ich höre mit Dual 1214, Neckermann stereo recorder und Graetz Astrid.

Offline Matthias M

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Re: Kirksaeter-Receiver
« Antwort #3 am: 07. Feb. 2007, 01:38 »
Moin, moin,

die Hoffnung, daß auch ich von Euch mehr über Kirksaeter erfahren könnte hat leider getrogen. Also hier ein paar Anreize Euch zu äußern:

"KIRKSAETER sind europäische, handgemachte Produkte hervorragender Qualität und Zuverlässigkeit. Seit mehr als 45 Jahren steht KIRKSAETER für innovative und progressive Audiokomponenten.
KIRKSAETER baute den ersten Verstärker der Welt mit vollkomplementären Ausgangs-Transistoren und verzichtete als erster auf einen Kondensator zur Baß-Reduzierung im Ausgang. Per Kirksaeter setzte als erster symmetrisches Spannungsversorgung und modulare Technologie ein; er war der erste, der einen FM-Tuner mit der unglaublichen Empfindlichkeit von 0.4 Mikrovolt baute vermutlich auch der erste, der einen kleinen kompakten Monitorlautsprecher mit voller Baß-Leistung konstruiert hat.
Per Kirksaeter war Wegbereiter innovativer Standards für die Audio und Highend-Industrie, was seine Patente und Preise belegen. Mit seiner Firma AUDIOSON war er Mitbegründer des Deutschen High Fideliti Institut (DHFI), das in den frühen Sechszigern die Grundlagen für den späteren weltweiten Standard DIN 45500 ausarbeitete."

(Kirksaeter.com)

"Seit 1958 führen wir als namhafte Pioniere "High-Fidelity" und "Stereo" in Deutschland ein, zu einem Zeitpunkt, da diese Begriffe für die meisten hier noch unbekannt waren. 1961, nachdem ein gewisser Markt vorhanden war, wurde mit der Fertigung von HiFi-Lautsprecherboxen begonnen." (Internationales Lieferprogramm 1966/67
http://telefunken.te.funpic.de/kirksaeter66/)

"Da ich oft gefragt werde, ob wir eine amerikanische oder skandinavische Firma sind, sage ich nachstehend etwas über das KIRKSAETER-Team, das 1988 sein 30 jähriges Bestehen feiert. Nicht als Massenhersteller in aller Munde, sondern als weltbekannter Spezialist für erlesene Qualitätsprodukte in dem begrenzten Markt der anspruchsvollen Musikliebhaber.
Als gebürtiger Norweger und Verfechter skandinavischer Handwerkstradition siedelte ich 1958 nach Deutschland über. Dies um die Vorteile der hochentwickelten deutschen Industrie voll nutzen zu können. Zu einer Zeit als kaum jemand das Wort High-Fidelity gehört hatte, entstand in Teamarbeit eine große Auswahl von Entwicklungen und Patenten, die zum internationalen standard wurden:
- die erste vollkomplementäre Transistorendstufe der Welt
- der erste Leistungsverstärker der Welt ohne Leistungsbegrenzung für hohe kurzfristige Musikimpulse (Clipping)
- der erste Vorverstärker der Welt mit 1mV Empfindlichkeit für Phono
- die ersten komplett mit modulen bestückten HiFi-Geräte
- die ersten kompaktenrohrbelasteten Baß-Reflex-Lautsprecherboxen Europas unter der Typenbezeichnung "Tubaflex" bereits 1961
- der erste Transistorverstärker ohne Koppelkondensator zum Lautsprecher
- die erste High-Speed Endstufe mit getrennter Netzversorgung für Spannungs- und Leistungsverstärkung, um die TIM-Verzerrung zu unterdrücken
- der erste Stereo-Verstärker mit zwei Monoblock-Endstufen und getrennter Netzversorgung um die Übersprechungsverzerrungen zu eliminieren.

Unsere Firmenphilosophie ist, High-Tech Prestige-Produkte mit einer bestmöglichen Preis-Leistungsrelation zu bauen. Unsere Produkte waren niemals in den "Traum-Preis-Kategorien", sondern bei den Produkten zu finden, die die High-Tech-Entwicklung der High-Fidelity über die letzten 30 Jahre geprägt haben.

Bereits 1963 wurde mit der Entwicklung geschlossener Boxen mit voller satter Baßwiedergabe begonnen. Unter Verzicht auf eine Baßreflexöffnung mit ihren bekannten Nachteilen ("Bumsbässe") wurde die eingeschlossene Luft zur dynamischen Dämpfung benutzt; geringe Leistung - geringe Dämpfung, große Leistung bzw. große Hübe = starke Dämpfung. ..."
(Lautsprecher-Prospekt Kirksaeter - Philosophy of Better Sound)

Dann noch ein paar Beiträge aus dem HiFi-Forum:
Posting von "Schwergewicht" vom 2.6.06

"Hallo Trafo,
also längere Zeit unterhalten habe ich mich mit Peer Kirksaeter auf der Düsseldorfer Hi-Fi Messe. Er persönlich ist ein nicht allzugroßer freundlicher Herr. Ich weiß nicht, ob er überhaupt noch lebt?

Zu dieser Zeit um 1970/71 repräsentierten die Kirksaeter-Receiver technisch gesehen den allermodernsten Standard. Auch klanglich waren sie mit vorne zu finden. Die RTX-Serie aus der Zeit 4000, 6000, 8000 hat einen runden, weichen Klang und weicht optisch angenehm von den damaligen üblichen breiten Kisten (Flundern) aus deutscher Produktion ab.

Allerdings blieb die sehr innovative Technik bei Kirksaeter dann praktisch stehen. Kirksaeter baute diese Receiver mit wechselnden Namen optisch fast unverändert bis in die 80er. Auch technisch tat sich nicht mehr viel. Er baute bis zum Schluß z.B. Analogtuner (selbst die LAB-Serie der 90er Vorstufe-Endstufe-Tuner getrennt hatte noch einen Analogtuner), als die Anderen Hersteller und die Kunden schon lange auf den Zug Digitaltuner aufgesprungen waren. Somit waren seine Geräte speziell auch preislich gegenüber den Japanischen aber auch den Deutschen Anbietern nicht mehr konkurrenzfähig. Da er aber in Amerika noch aus der Zeit der 60er (Kirksaeter baute 1965 den ersten Hochleistungs-Transistorreceiver der Welt) einen Namen hatte, verkauften sich seine Geräte in den USA immer ganz gut. Ich glaube, daß die Lautsprecherproduktion bis heute läuft. Ob Peer Kirksaeter da noch mitmischt, oder ob es nur noch der Name ist, weiß ich allerdings auch nicht.

Erworben habe ich meinen Kirksaeter RTX 4000 übrigens 1971 bei Merkelbach in Essen (Elektrogroßhändler, existiert heute noch), dort bekam ich 30 % Rabatt. Ich habe ihn immer noch, klingt nicht mehr gut, aber er funktioniert. Abgeben würde ich ihn nie, dafür verbindet mich zu viel mit ihm."


Posting von "Xutl" vom 8.8.06
"Kirksaeter und Tandberg haben früher zusammengearbeitet.
Als dann Tandberg nach Erkrath umgezogen ist, habe ich dort Herrn Schmidt kennengelernt. Hatten damals auch die Cabasse-Vertretung.
Herr Schmidt hat immer noch den Tandberg-Service.
Tandberg-Service
Ich weiß zwar nicht, ob er sich mit Kirksaeter auskennt,aber eine Anfrage könnte hilfreich sein."


Auszüge aus dem Posting von "Ludger"
"Stärken: sehr guter UKW-Empfang, excellente Ausstattung, auch wenn man vieles nicht gebraucht, unglaublich viel Dampf. Dagegen waren und sind japanische Verstärker schwachbrüstig. Mein Kirksaeter hat wirklich jeden Tieftöner an den Rande der Verzweiflung gebracht.

Tonal ist er etwas mittig, da muss mit den Boxen schon gegensteuern. Dennoch hat er mir klanglich immer sehr gut gefallen und da ich seit 25 Jahren Boxen baue, hatte ich auch immer den passenden Klang.

Bauteilemäßig wurde damals wohl so ziemlich das beste verbaut, was es gab (sagt zumindest mein Kumpel und der kennt fast jedes elektronische Bauteil).

Schade ist es wirklich nur wegen der Verabeitungsqualität."


Und ein Schmakerl am Ende.
Aus einem Schreiben der Kirksaeter Vertriebs-GmbH & Co. KG an Radio Schellheimer in Singen aus dem Jahre 1987 in Sachen der Anforderung eine Kulanz-Reperatur eines Tuners FM 6:
"... Obwohl Sie angeben keine Trennschärfe, Übersprechen auf Nachbarsender mit dem Hinweis, daß ein zehn Jahre alter Toshiba-Tuner die Sender trennt, hat das Gerät keine Fehler.
Bei Konstruktion eines Tuners muß man auswählen zwischen Empfindlichkeit für Fernempfang und Trennschärfe unter Berücksichtigung der anzuschließenden Stereodecoder.
Beim FM6 haben wir die Trennung zu Gunsten hoher Empfangsleistung vernachlässigt, bei den großen Tunern haben wir einen ähnlichen Frontend, aber einen größeren ZF-Verstärker für größere Trennung. Es ist ungewöhnlich, daß starke Sender so naheliegen wie in Ihrem Falle und wir empfehlen in solchen Fällen eine Rotor-Antenne.

Die Zusammenhänge waren unserem neuen Kundendienstleiter nicht bekannt und die Betriebsferien und drei großen Messen, die wir zwischenzeitlich hinter uns hatten, hatten ein teiferes Gespräch über dieses Gerät nicht zugelassen. ..."


Soweit ich hörte war Audioson der Hersteller, Kirksaeter der Vertrieb und die Marke.
Die Produkte der Frühzeit von Kirk kenne ich nicht. Der Prospekt von 1966 auf den Wega-Seiten zeigt einen Receiver. Ende der Sechzigern kam dann die Serie RTX auf den Markt, der mit der Serie Compact kleinere Geschwister zur Seite gestellt wurden.
Anfang 1975 erschien dann die Receiver und Preceiver Moderator, die bis zum Ende der Achtziger Jahre im Programm blieb und in den Achtzigern um die Lab-Serie ergänzt wurde: Vorverstärker, Tuner und Endstufe.
Lautsprecher gibt es übrigens bis heute unter dem Namen Kirksaeter. Ob der Name Audioson, der heute für französisches Car-HiFi steht, etwas mit der Firma Kirksaeter zu tun hat, wäre eine Aufklärung durch Euch wert.

Ein persönliches Statement: Die Verarbeitung ist zwiespältig. Anfang 1975 war die Moderator-Serie äußerlich ziemlich modern. Aber das waren ja viele deutsche Receiver. Der innere Aufbau ist komplex und ein Gräuel für Service-Techniker. Die Anschlüsse sind etwas wackelig und das Holzgehäuse nicht erstklassig. Letzteres setzt sich bis zu den späten Lab-Geräten fort.
Die Ausstattung der Kirksaeter war immer gigantisch. Letzlich wohl auch die Qualität. In Anbetracht der Konkurrenz war der Preis nicht überteuert. Es gibt teureres schlechteres Prominenteres.

Ich habe mir einige Moderator und RTX geleistet, ein Paar Prof.200 und zwei kleine Lab. Im Gegensatz zu Produkten der damaligen Konkurrenz konnte ich bei den Kirksaeter eine subjektiv höhere Ausfallrate feststellen.
Von der Bedienung her sind vor allem Receiver und Vorverstärker nicht eben übersichtlich. Da gefallen mir Braun oder Wega besser.

Tschüß, Matthias
« Letzte Änderung: 07. Feb. 2007, 02:13 von Matthias M »