Autor Thema: Analoges Bandrauschen beugt Gehörschäden vor  (Gelesen 3707 mal)

Manuel (der Fliege)

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Analoges Bandrauschen beugt Gehörschäden vor
« am: 17. Okt. 2008, 11:12 »
Hallo Freunde,

lest mal:

Brüssel, 13. Oktober (AFP) - Bis zu zehn Millionen Menschen in der Europäischen Union drohen laut einer neuen EU-Studie durch exzessive Nutzung von MP3-Playern Hörschäden bis hin zur Taubheit. Nutzer solcher Musik-Abspielgeräte im Miniaturformat riskierten unumkehrbaren Gehörverlust, wenn sie ihre Geräte zu laut einstellten und jeden Tag mehr als eine Stunde lang damit Musik hörten, hieß es in der am Montag in Brüssel vorgestellten Studie. Dies sei bei etwa fünf bis zehn Prozent der MP3-Besitzer und damit bei zwischen zwei und zehn Millionen Menschen der Fall.

EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva zeigte sich besorgt. Die Verbraucher müssten für das Problem sensibilisiert und die Schutzmaßnahmen verschärft werden. Anfang 2009 solle auf einer Konferenz in Brüssel über das weitere Vorgehen beraten werden, erklärte sie.

Einer EU-Norm zufolge können MP3-Geräte bislang auf eine Lautstärke von bis zu 100 Dezibel eingestellt werden. Die gute Abspielqualität der neueren Geräte verleitet viele Nutzer dazu, ihr Gerät sehr laut einzustellen. Schätzungen zufolge hören etwa 50 bis 100 Millionen EU-Bürger täglich Musik mit einem solchen tragbaren Abspielgerät.


Also waren unsere Walkman-Kassettenabspielgeräte in den Achtziger und Neunziger Jahren doch nicht so schlecht für unsere Ohren. Sobald man zu laut aufdrehte, gab es eben Rauschen - das hat vielleicht hin und wieder manche Jugendliche davon abgehalten, über längere Zeit sich das Gerausche anzutun. Aber es gab damals ja auch genug Leute, die permanent "full power" gegeben haben.

Am schlimmsten sind ja die Ohrstöpsel, die direkt am Eingang des Gehörganges stecken. Mit Kopfhörern ist es nicht so schädlich, weil die kleine Lautsprechermembran doch 1 oder 2 Zentimeter weiter weg vom Trommelfell ist.

Viele Grüße,
Manuel

Offline cassettenfreund

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Re: Analoges Bandrauschen beugt Gehörschäden vor
« Antwort #1 am: 17. Okt. 2008, 11:50 »
Hallo Manuel,

vor etwa 2 Jahren lief im RTL-Magazin Extra schon einmal ein Beitrag dazu. Der Reporter ist kurz vor 24 Uhr auf die Straße gegangen und hat jeden, der einen Knopf im Ohr hatte, gefragt, ob er mal die Lautstärke messen darf. Viele MP3-Player waren auf über 90 dB eingestellt. Und die betroffenen Personen waren alle überrascht. Das Phänomen konnte ich auch beobachten, als ich noch zur Schule ging. Immer, wenn ein Klassenkamerad mit Knopf im Ohr den Klassenraum betrat, konnten alle anderen mithören. Es gab einen, der hat in jeder Pause auf voller Lautstärke die Band Manowar gehört. Da diese Musik praktisch keine Dynamik hat, war das Gehör von demjenigen am Ende der 11. Klasse schon relativ abgestumpft.

Das Problem ist, dass viele MP3-Player zum Anschluss guter Bügelkopfhörer nicht geeignet sind. Selbst, wenn man auf volle Lautstärke aufdreht, ist die Wiedergabe noch relativ leise. Kein Wunder, die Verstärker haben Leistungen von 0,3 W oder sogar noch darunter. Macht mir aber nichts. Ich benutze meinen MP3-Player sowieso nur unterwegs, beim Joggen zum Beispiel. Da stelle ich eh ganz leise, um die Umgebung noch zu verstehen. Da stört mich der schrille Klang nicht mehr so stark.

Liebe Grüße,
Mario

Offline niels

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Re: Analoges Bandrauschen beugt Gehörschäden vor
« Antwort #2 am: 21. Okt. 2008, 10:01 »
Dass es an der guten Qualität der Geräte liegen soll, das der Pegel zu hoch eingestellt wird, mag ich nicht zurecht glauben. Bereits in den achtziger Jahren wurde wiederholt auf die Gefahr der Walkman-Benutzung hingewiesen. Lautstärke war in der Popmusik, und das ist es wohl, was hauptsächlich mit mp3-Playern gehört wird, schon immer wichtig. Ginger Baker "The two years with Cream damaged my hearing."

Ich habe bei mir die Beobachtung gemacht, dass sich bei der Verwendung von Kopfhörern die Lautstärke nicht mehr einschätzen lässt, da die Umweltgeräusche, die sonst einen Vergleichsmöglichkeit bilden, nicht mehr wahrzunehmen sind.

niels

Manuel (der Fliege)

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Re: Analoges Bandrauschen beugt Gehörschäden vor
« Antwort #3 am: 21. Okt. 2008, 13:38 »
Was mir noch eingefallen ist, weil ich ja sozusagen "Zeitzeuge" der Neunziger Jahre bin (und die Neunziger - man mag es kaum glauben - ja schon wieder relativ weit in der Vergangenheit zurückliegen):

Es geht um die Musikabteilungen von Drogerie Müller und Galeria Horten in der Innenstadt von Regensburg. War ich in den Neunziger Jahren fast täglich dort. :lol: Maxi-CDs-Sammeln war schon damals wie heute ein Leidenschaft von mir.

Beim Drogerie Müller und bei Galeria Horten (mittlerweile umgetauft zu Galeria Kaufhof) konnte man in der CD-Abteilung sich die CDs anhören vor dem Kauf. Selbstbedienung war leider nicht. Hatte man sich eine CD ausgesucht, mußte man an den Stand (Theke) gehen und darauf hoffen, daß jemand vom mürrischen Personal sich erbarmt, die CD in den Player einzulegen. Kopfhörer aufgesetzt und

De-däääääännnggg...  :shock: :shock: :shock:

Volle Lautstärke! Und das nicht nur an einem CD-Player, sondern überall. Drogerie Müller hatte ca. 6 oder 7 Abhörstationen, überall war das unerträglich laut. Ich wußte das und setzte deshalb die Kopfhörer nicht auf, sondern hielt sie mit einigen Zentimetern Abstand von meinen Ohren weg. War laut genug, daß man auch im näheren Umkreis die Musik hören konnte, wie bei Lautsprechern.

Bei Galeria Horten war es nicht so laut, es gab auch nur 3 Abhörstationen. Dafür war das Personal umso pampiger. Vor dem Umbau war in der CD-Abteilung nur eine kleine Frau, so dick und rund wie ein Faß und jeden Tag mies gelaunt.

Naja, immerhin... beim Müller hörte ich das erste Mal in meinem Leben eine CD.
Mich prägte dieses Erfahrung für den Rest meines Lebens. Bei meinem "1. Mal" :mrgreen: setzte ich die Kopfhörer noch ganz normal auf und dachte in meiner Unwissenheit und Naivität, daß der CD-Player wohl noch nicht eingeschaltet war, denn ich konnte absolut kein Rauschen oder Brummen etc. hören, kein Einschalt-Knacken, gar nichts. Völlig überraschend von einer Sekunde auf die andere, buchstäblich aus dem Nichts heraus kam dann plötzlich die Musik in voller Lautstärke und mich hebte es aus den Schuhen. :lol:

Boah! Aha! Das ist also CD. Wahnsinn. So eine Qualiltät ist unübertreffbar, bekomme ich auch nicht mit dem besten Kassettenrekorder der Welt zustande. Damals hatte ich nichts, außer Kassetten. Auch kein DAT und in meinem PC begnügte ich mich noch mit 8 bit mono und 11025 Samplingrate. Tjaha, kostete im Jahr 1993 noch 100,- DM, so eine primitive Soundkarte von Creative Labs. Nicht mal ein CD-ROM-Laufwerk hatte ich zur Verfügung.

Ich sag´s ja - alles unglaublich, daß das schon wieder soooo lange her ist. Die Neunziger Jahre waren m.M. nach die besten! Davor und danach nur kalter Kaffee. :lol: Seht euch mal die heutigen/gegenwärtigen Media-Control-Charts an... und das Angebot in den Musikabteilungen diverser Kaufhäuser. Das reine Jammertal!

Gibt´s eigentlich noch Walkman-Kassettengeräte zu kaufen? Glaube nicht, oder? Alles vorbei... es gibt ja nicht einmal mehr anständige Leerkassetten zu kaufen, bis auf Maxell UR vielleicht noch, aber sonst... :? Hätte ich nie im Traum für möglich gehalten, daß irgendwann mal so eine Zeit heranbrechen könnte. Keine Kassetten? Keine passenden Geräte dafür? Lauter Mist in den Charts? Maxi-CD-Sektion, Buchstabe A bis Z nur noch höchstens 2 Meter lang? Früher war das halbe Stockwerk der Kaufhäuser voller Maxi-CDs.

Offline cisumgolana

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Re: Analoges Bandrauschen beugt Gehörschäden vor
« Antwort #4 am: 21. Okt. 2008, 15:03 »
Hallo Manuel!

... und es geht doch!
Wenn ich die Kopfhörer überstülpe und meinen Verstärker auf Cassette stelle,
kontrolliere ich immer die Lautstärke. Will ich doch mein Gehör nicht drangsa-
lieren.
Wenn ich eine Cassette einlege, die ich zu Testzwecken ohne Musik(!) aufge-
nommen habe, und sie abspiele - dann ist kein Bandrauschen zu hören. Auch
nicht, wenn ich voll aufdrehe. Es kommt bei max. Volume nur ein (abhängig vom
Verstärker) Grundrauschen des Verstärkers an mein Ohr.
Andererseits, wenn ich eine CD auf Cassette aufnehme, dann ist in den CD-Pausen
das m. E. jeder Cd beigemischte rosa Rauschen hörbar. Ebenfalls das Rauschen von
evtl. offenen Mikro´s.
Das ist kein Hexenwerk - sondern das Resultat einer (leider nicht käuflichen) Mehrband-NR.
Ohne eingeschaltete NR hast Du natürlich Recht.

Grüße
Wolfgang

PS.: Ich meide die Ohrstöpsel, wei der Teufel das Weihwasser - und verwende nur offene KH
bei inzwischen eher moderaten Lautstärken (ich habe dazugelernt).

Offline cassettenfreund

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Re: Analoges Bandrauschen beugt Gehörschäden vor
« Antwort #5 am: 21. Okt. 2008, 15:11 »
Im vergangenen Jahr habe ich beim Marktkauf noch einen Medion-Walkman gekauft, sogar mit Autoreverse. Der selbe ist noch heute beim Marktkauf in Haldensleben zu haben.

Alles, was man heute in den Media Control-Charts findet, wird bei mir aber nicht sofort als schlecht abgestempelt. Ich bin beispielsweise ein Fan von Rosenstolz, und finde die neuen Sachen auch gut. Herbert Grönemeyer macht auch noch ganz anständige Musik, Helene Fischer (die ja zumindest in den Album-Charts sehr erfolgreich ist) höre ich auch sporadisch. Die Mehrheit aber, da hast du leider recht, ist voll mit Bushido oder Schnuffel.

Sind die Neunziger wirklich schon so lange her? Ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich mir meine erste CD kaufte. Da war ich erst vier und die CD war von den Flippers. Da wir noch keinen CD-Player hatten, musste mein Vater extra seinen PC ins Wohnzimmer schleppen, ums auf Kassette zu überspielen. Das war auch meine bevorzugte Musikrichtung, die Flippers und ganz besonders Patrick Lindner.

Bis ich meine erste Maxi-CD kaufte, dauerte aber noch ein Weilchen. Das war 2002 Nessaja von Scooter. Da hab ich mich grün und blau geärgert, weil mein PC aufgrund des Kopierschutzes die CD nicht mal erkannt hat, und ich immer noch keinen eigenen CD-Player hatte. :lol:

Liebe Grüße,
Mario

Manuel (der Fliege)

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Re: Analoges Bandrauschen beugt Gehörschäden vor
« Antwort #6 am: 21. Okt. 2008, 15:30 »
Hallo Wolfgang,

meine Anekdote stammt aus einer Zeit, so ca. Ende November des Jahres 1993, damals hatte ich nur Kassetten und sehr preiswerte Billig-Geräte aus Japan zur Verfügung, wo es aus den Lautsprechern rauschte und brummte, sobald man nur den "Ein"-Knopf drückte. Wenn noch dazu eine Kassette lief, kam Bandrauschen extra hinzu. Diese Qualität war bei mir eben ganz normaler Standard, von Kindesbeinen an bis zur frühen Jugend, kurz nach dem kaum vorhandenen Stimmbruch (denn eine relativ tiefe Stimme hatte ich schon immer).

Mein erstes Mal erlebte ich dann eben im Drogerie Müller im oberen Stock, Musikabteilung, CD-Player und großer Kopfhörer, maximale Lautstärke und die Maxi-CD von Ace of Base "The sign". Eine Tonqualität, wie es für meine sehr beschränkten Möglichkeiten daheim im Kinderzimmer niemals erreichbar gewesen wäre. Kein Rauschen, kein Brummen, kein Knacksen, keine Verzerrungen, sogar noch wesentlich besser als störungsfreier UKW-Stereo-Empfang. Unübertreffbar gut. Unfaßbar gut. Es gibt eigentlich gar kein passendes Wort dafür, wie absolut fehlerfrei und perfekt so eine CD klingt.

Daß es Kassettendecks gibt, wo man das Bandrauschen praktisch nahezu restlos wegfiltern kann oder von vornherein qualitativ so extrem hoch angesiedelt sind, daß Bandrauschen erst gar nicht zu Gehör kommt, wußte ich damals nicht. Im Freundes-/Bekanntenkreis hatte schließlich auch niemand derlei High-End-Ausrüstung. Wir hatten doch nichts damals, außer unsere Stereo-Radios mit Kassettenteil, manche hatten auch einen Radio mit Doppel-Kassettendeck, und für unterwegs bzw. im Klassenzimmer unsere Walkman-Geräte, auch nur Japan-Schrott. Mein alter Crown für DM 14,95 läuft heute noch. Bei maximaler Lautstärke rauscht es nicht nur, sondern man hört auch den Laufwerks-Motor. Das war mein Qualitätsniveau, das war ich gewohnt. Und wißt ihr was: Ich war völlig zufrieden damit!

Und jetzt vergleicht mal dieses verrauschte, verbrummte und mit Drop-Outs zugepflasterte, über Jahre hinweg gewohnte Klangbild auf Kassetten - noch dazu mit Aufnahmen von mehr oder weniger störungsfreiem UKW-Rundfunk, ohne manuelle Aussteuerungsmöglichkeiten - mit dem astreinen Klang einer CD. Ein echter Quantensprung war das für mich damals.

Die Backfische von heute wissen eigentlich gar nicht, wie gut sie es mit ihren MP3-Playern haben. Sie kennen ja nichts anderes mehr, weil von klein auf schon damit aufgewachsen.

Viele Grüße,
Manuel

Offline cisumgolana

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Re: Analoges Bandrauschen beugt Gehörschäden vor
« Antwort #7 am: 21. Okt. 2008, 19:51 »
Hallo Manuel!

Es ging mir doch früher auch nicht anders als Dir.
Wenn ich frühe Bandaufnahmen (vor allem die mir der Variocord 263 gemachten - brrr)
anhöre. Frei nach dem Motto:
"Das Rauschen im Walde" - verbunden mit - "Aus dem Walde kingt es dumpf",
dann kriege ich das kalte Grausen...
Mein erstes C-Deck (immerhin ein Technics RS-630[?], schon mit Dolby B, für schlappe
600Märker) hat damals schon nix gerissen. Aber Cassette war ja "in", mußte ich einfach
haben. Die Naka´s (und Konsorten) von damals, waren auch nicht viel besser, nur sehr
viel teurer!
Erst als ein Arbeitskollege diese (von mir geschilderte) NR entwickelte (Deutsches und
europäisches Patent), kehrte Ruhe in den Pausen ein. Aber das war für mich einfach
nur Glück.
Andererseits schätzte ich (und schätze ich noch) die CD. Einfach zu handhaben, kompakt
und klingt gut (wenn auch für meinen Geschmack ein wenig zu "kalt").
Wenn ich Musik höre, wähle ich ja vorher auch das Medium aus (und nicht nur die Musik).
Dann ist es (zumindest bei mir) klar, auf was ich mich da einlasse. Platten knistern nun
mal (mehr oder weniger), Radio (UKW) hat andere Schattenseiten (Werbung/Verkehrs-
funk, etc.), Band/Cassette hat u. U. drop outs, CD klingt kühl - ich stelle mich darauf ein,
dann wird die Musik zur Hauptsache (so, wie es doch sein soll).

Die Kids von heutzutage sind oft mit viel weniger zufrieden. Sie scharen sich um ein Handy,
hören, weil voll aufgedreht (um überhaupt etwas zu hören aus dem mickrigen Schallwandler
[die Verneinung eines Lautsprechers!]), fast schon reinen "Rechteck"-Sound (a la Arabien),
und finden das "voll cool" und einen "fetten Sound".
Und da heißt es immer, die heutige Jugend sei zu anspruchsvoll. Beim Musikhören kann das
wohl nicht so ganz stimmen...

Immer nur auf die Anderen schimpfen? Nein, jetzt bin ich dran!
Ich gebe zu, auch mit auf den 5./6./7./8.-Surroundsound -Zug aufgesprungen zu sein. Ich habe
(für meine Verhältnisse) eine Menge Geld gelassen. Aus heutiger Sicht eine glatte Fehlinves-
tition. Aber nun sind die Kisten da, und ich versuche den Spagat zwischen analog und digital.
Hätte ich doch nur auf einen Freund gehört, und mir statt des Surroundequipments von
Sennheiser den Orpheus-Röhrenverstärker (samt 2 Paar dafür konstruierte Kopfhörer) als Er-
gänzung zu meinem Scheu-Plattendreher gekauft. Dann könnte ich Musik auf hohem Niveau
hören - und hätte auch was für´s Auge (m. E. sieht der Orpheus mehr wie eine Skulptur aus).
Aber hättste, wennste, könnste -  Asche auf mein Haupt...

Vielleicht ist das mit ein Grund, warum ich mit Bandgeräten zupflastere?

Genug! Laßt uns zum Thema "Bandrauschen schont das Gehör?" zurückkehren!

Vierle Grüße
Wolfgang


Offline aberwin

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    • Tonstudio, Audio-Produktion
Re: Analoges Bandrauschen beugt Gehörschäden vor
« Antwort #8 am: 01. Dez. 2008, 21:00 »
Hallo allerseits,

möchte Euch mal einen Aspekt beisteuern, den ich bei meinen Kunden im Tonstudio immer wieder bemerke. Wenn ich mit Musikern im Multitracking arbeite, dann müssen die Musiker zum Einspielen jeder einzelnen Tonspur die bereits eingespielten Tonspuren über Kopfhörer hören und ihren eigenen Part synchron dazu spielen. Dabei gibt es folgenden Effekt. Am Anfang muß ich ihnen die Kopfhörer-Lautstärke für die richtige Balance nur relativ leise anbieten und nach einigen Stunden Arbeit reicht ihnen selbst die maximale Lautstärke, die der Kopfhörerverstärker liefern kann nicht mehr aus. Diesen Effekt gibt es bei jedem Musiker gleich. Es hat also nichts mit der Unvernunft bestimmter Personen zu tun. Das kommt ganz einfach nur durch den Ermüdungseffekt nach einer gewissen Zeit des Hörens. Sobald er eintritt verlangt der Mensch nach Erhöhung der Lautstärke, damit er wieder auf die anfängliche Lautstärke kommt. So schraubt sich allmählich über einige Stunden die vom Musiker gewünschte Lautstärke nach oben, bis der Verstärker beihnahe nicht mehr genügend Saft hat um verzerrungsfrei zu arbeiten. Das ist dann allerspätestens der Moment wo ich die das Multitracking abbreche und dem Musiker eine 1/2 Stunde Pause verordne. Meistens breche ich schon viel früher ab, da die Leute nicht das nötige Problembewußtsein mitbringen um von sich aus zu pausieren.

Ich denke, daß dieser Effekt hauptsächlich die Ursache für stetig zu lautes Hören bei Musikkonsummenten ist. Besonders wenn man stundenlag Musik über "Ohrstöpsel" oder Kopfhörer hört. Verschlimmernd kommt hinzu, daß die Tonqualität der Geräte oft schlecht oder klanglich unausgewogen ist und man dadurch überwiegend ein mit Höhen angereichertes Tonsignal auf die Ohren läßt.

Gruß Aberwin
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