Autor Thema: High End - was soll dieser Begriff aussagen ?  (Gelesen 735 mal)

Offline kreiserdiver

  • Mod
  • *
  • Beiträge: 1578
High End - was soll dieser Begriff aussagen ?
« am: 27. Sep. 2007, 20:39 »
Hallo Freunde !

Gestern las ich, dass jemand sein Nakamichi Dragon verkaufen wolle, es sei "High End".
High End bedeutet für mich so viel wie "besser geht es nicht".
Für mich klingt das irgendwie lächerlich, denn Cassetten mit ihrem miesen Kunsstoffgehäuse-Gleichlaufproblemen
würde ich niemals das Prädikat "high end" verleihen, zumal wenn man sich vor Augen führt, dass da bei 4,75 cm/s
und halber Tonbandbreite 4 winzige Spuren untergebracht sind, die dann auch noch präzise klingen sollen.

Nun ja, mit viel Anlauf bekommen gute Decks ja 60 dB mit Dolby Schnick und Schnack ja hin, aber high end ?

Aufwändige high end Plattenspieler können noch so teuer sein, es bleibt bei der Abtastung von Platten,
nun ja, jeder zweite CD-Spieler klingt zumindest genau so.

Ich denke "High End" ist irgendwie eine Art Rechtfertigung, viel Geld für ein hochwertiges Hifi Gerät ausgegeben zu haben,
dass bestimmte Dinge eine Nuance besser kann.

Wer kann mir mal dieses Phänomen erklären ? Vielleicht ist ja jemand unter uns, der da Erfahrungen hat, selbst High End besitzt
oder Besitzer kennt ?

Vielleicht ist ja sogar mein Studio DAT Gerät mit 4 Kopftrommel von Sony schon High End und ich weiß es nicht ?

Oder ist der Begriff in den 70ern eingeführt worden, als man merkte, dass jeder zweite Neckermann Cassettenrecorder die
normale Hifi Norm erreicht ?

Fragen über Fragen - provozierend vielleicht, Stoff für Diskussionen auf jeden Fall.

Dann schreibt Euch was von der Leber !

Euer Ralf.
Es begann 1966 mit Philips EL 3516.Heute N4520,Otari,Technics etc. >>Hobby oder Sucht ?

Manuel (der Fliege)

  • Gast
Re: High End - was soll dieser Begriff aussagen ?
« Antwort #1 am: 27. Sep. 2007, 22:03 »
Hallo Ralf,

Formulierungen wie das von Dir zitierte "High End" usw. sind undefinierte, nichtssagende Begriffe, die m.M. nach nur zu dem Zweck verwendet werden, den Preis etwas hochzuschrauben - sei es bei Neuware im Laden oder beim Privatverkauf, das ist egal.

Das ewige Streben nach Perfektion und ungetrübtem Klang bei vielen Zeitgenossen um mich herum habe ich eh nie so richtig verstanden. Ich will es diesmal auch etwas provozierend ausdrücken und sagen, daß Perfektion nur von der Audio-CD bzw. DVD kommen kann, wenn man mal nur die Tonträger für den Endkonsumenten betrachtet.

Einen Schallplattenspieler als High-End-Produkt anzupreisen ist schon ein Widerspruch in sich, weil das schwächste Glied in einer - nehmen wir mal an, perfekten Audiokette - stets die Vinylplatte bleibt, die schon bei der Herstellung im Preßwerk viele Einschränkungen über sich ergehen lassen muß.

Schauen wir uns Kassettengeräte an, ganz egal, welche. Da sind wir auch weit davon entfernt, perfekte Tonqualität zu erreichen.

Analoge Bandmaschinen - vielleicht mit Halbspur und 38 cm/sek, wenn sonst mit dem Gerät alles okay ist, kommt man vielleicht in Qualitätsregionen, die man möglicherweise als "High End" bezeichnen kann. Nur frage ich mich, was diese Materialschlacht soll. Für einen Endverbraucher und Privatmenschen nicht rentabel, schon gar nicht für den alltäglichen Gebrauch.

Überhaupt wage ich zu behaupten, daß es für den normalen Endverbraucher überhaupt gar keine HiFi-Ware gibt, die wirklich "High End" ist. Jedes Gerät und jedes Medium weist Einschränkungen auf.

Im Studiobereich ist die wirklich gute Qualität zu finden. Dort gibt´s "High End", wenn schon.

Aber wie will man beim Marketing den Kunden mitteilen, daß man hier ein superdupermegahammer-Produkt im Angebot hat? Irgendwelche Attribute braucht man halt. Wenn es obendrein noch englische Begriffe sind - umso besser! Da kann der potenzielle Käufer und/oder der Verkäufer im Laden mit Fachausdrücken glänzen, die gar keine sind. Was die Begriffe genau bedeuten, versteht sowieso niemand. Auch dann nicht, wenn man es wortwörtlich übersetzt. "Hohes Ende" - was ist das eigentlich? Auf was bezogen? Mit was verglichen? Kann man für das, was damit ausgedrückt werden soll, nicht auch ein schönes deutsches Wort benutzen?

Tatsächlich Fragen über Fragen, ich kenne die Antworten auch nicht. :lol:

Viele Grüße,
Manuel