Autor Thema: Label "Varèse Sarabande"  (Gelesen 5687 mal)

Offline MichaelB

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Label "Varèse Sarabande"
« am: 29. Aug. 2005, 11:07 »
Hallo,

kann mir jemand etwas mehr über dieses Plattenlabel sagen, als das, was man auf der Website findet?

Zur Zeit haben sie wohl nur CDs im Angebot, ich suche Informationen über die älteren Veröffentlichungen auf Vinyl.

Vielen Dank,
Michael
« Letzte Änderung: 21. Nov. 2006, 19:27 von MichaelB »

Offline Markus Berzborn

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #1 am: 12. Sep. 2005, 22:16 »
Ich habe von diesem Label ein paar Klassik-LPs. Die Klangqualität ist meistens sehr gut. Anscheinend haben die sich bei den verwendeten Aufnahmen aus verschiedenen Quellen bedient. Es sind deutsche Orchester dabei, aber auch frühe Digitalaufnahmen von Soundstream, die ja auch für Telarc gearbeitet haben. Ein interessantes Kuriosum am Rande ist, dass Berlioz' "Symphonie fantastique" von Keith Johnson für sein eigenes Label Reference Recordings rein analog aufgenommen wurde, aber gleichzeitig auch digital. Die Digitalproduktion wurde parallel auf Varèse Sarabande veröffentlicht. In erster Linie scheint sich das Label aber auf Filmmusik spezialisiert zu haben.

Gruß,
Markus

EDIT: Wieder lesbar gemacht (Sonderzeichen, Umlaute). Gruß, Niko
« Letzte Änderung: 26. Sep. 2005, 13:19 von Agfa-Band »
Analogbandtechnik von Mechlabor - Nakamichi - Studer - Tandberg - Telefunken - Thurow - Vollmer

Offline Markus Berzborn

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #2 am: 26. Sep. 2005, 09:48 »
Hier mal eine sehr interessante LP dieses Labels:

http://cgi.ebay.com/Stockhausen-Prozession-electronic-improv-1967-Kontarsky_W0QQitemZ4772209742QQcategoryZ306QQrdZ1QQcmdZViewItem

Ist allerdings auch keine eigene Produktion, sondern eine Übernahme von Vox.

Gruß,
Markus
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Offline MichaelB

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #3 am: 03. Okt. 2005, 00:48 »
Hallo,

ich habe das Thema mal in die Abteilung "E" verschoben. Was ich bis jetzt herausgefunden habe, hat Varese Sarabande seinerzeit überwiegend Klassikaufnahmen im Programm gehabt.

Zurück zum Thema:

Ich konnte bei Ebay von diesem Label eine Testpressung (White Label) genau von der Gieseking Aufnahme kaufen, von der ich auch Bänder und CDs habe. Das war Zufall und auch der Preis war recht günstig.

Hier das Label:



Hier der Origiinaltext der Auktion:
Zitat
this is not a typographical error.

this rare record is a test pressing of

walter gieseking playing the Beethoven piano concerto #5 "emperor" with the berlin reichsender orchestra,arthur rother,cond.it is  a studio stereo recording recorded in Jan 1945 as the allied bombs were falling.You can hear the bombs explode during the first movement cadenza.

This record was to be release on varese sarabande and came from the radio station kusc library.the date 1944 is written on cover however my research confirms the date to be jan.1945.

the record is in MINT condition.

 

Was anzumerken wäre, dass die Datierung der Aufnahme definitv falsch ist. Aber das beeinträchtigt ja nicht die Aufnahme. Ich werde berichten, sobald die Scheibe da ist. Hier hätten wir jetzt die einmalige Chance, bei einem Hörtest Masterband, Schallplatte und CD nacheinander oder nebeneinander vorzuführen und Probe zu hören.

Viele Grüße
Michael

Offline Agfa-Band

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #4 am: 03. Okt. 2005, 20:55 »
Hallo Michael,

das klingt hochinteressant, meine unbegrenzte Neugier trieb mich dazu, mir die Auktion mal anzusehen und den Preis zu eruieren, der ja wirklich bei Weitem nicht zu hoch war.

Gruß, Niko
Ich höre mit Dual 1214, Neckermann stereo recorder und Graetz Astrid.

Offline Markus Berzborn

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #5 am: 04. Okt. 2005, 16:56 »
Hallo Michael,

Wirklich ein sehr interessantes Teil. Ich warte dann noch auf Deinen Kommentar bezüglich des Klangs. Sollte der positiv ausfallen, werde auch ich mal versuchen, mir die Platte an Land zu ziehen (es muss ja nicht unbedingt eine Testpressung sein.  :)).
Meist bin ich ja bei historischen Aufnahmen von vornherein skeptisch. Ich habe da oft den Eindruck, dass sich die Plattenfirmen keine großen Gedanken um die richtige Entzerrung usw. gemacht haben, weil sie wohl dachten: "Was soll's - ist ja sowieso historischer Sound".
Würde mich freuen, wenn das in diesem Fall nicht so wäre.

Gruß,
Markus
« Letzte Änderung: 04. Okt. 2005, 19:39 von Markus Berzborn »
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Offline MichaelB

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #6 am: 04. Okt. 2005, 17:13 »
Hallo Markus,

ich bin auch schon gespannt. Zumal ich hier wirklich einen direkten Vergleich von Masterkopie und Vinylpressung durchführen kann.
Nebenher existieren bei mir noch eine Überspielung der AES auf CD und zwei CDs aus den USA, die sich aber alle klanglich unterscheiden. Bei den CDs aus den USA hat das aber eindeutig technische Ursachen.
Wie hier http://www.aaa-switzerland.ch/pdf/news_1204_web.pdf ab Seite 13 nachzulesen, soll der Klang der normalen Pressung bei Varese Sarabande ja nicht überragend sein. Leider enthält dieser Artikel einige Ungenauigkeiten, die die generelle Aussage des Artikels verfälscht. Sobald die Scheibe auf meinem Dreher gelegen hat, werde ich berichten.

Gruß
Michael

Offline Markus Berzborn

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #7 am: 04. Okt. 2005, 19:36 »
Zitat
Leider enthält dieser Artikel einige Ungenauigkeiten, die die generelle Aussage des Artikels verfälscht.

Was meinst Du da im speziellen?

Gruß,
Markus
Analogbandtechnik von Mechlabor - Nakamichi - Studer - Tandberg - Telefunken - Thurow - Vollmer

Offline MichaelB

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #8 am: 04. Okt. 2005, 19:46 »
Hallo Markus,

ich zitiere dazu aus einer Mail von Hans-Joachim, die sich eben genau auf diesen Artikel bezog.

Gruß
Michael



Zitat von: Hans-Joachim
1) Die Aufnahme offeriert im Gegensatz zur Aussage der Rezension einer Platte
zweifelhafter Herkunft gerade kein Ping-Pong-Stereo wie in den frühen Zeiten
der Schallplatten- und Rundfunkstereofonie nach dem Koinzidenzverfahren, sondern
ein heute übliches AB, das im übrigen sehr problematisch auf die Vinyl-Platte zu
bekommen ist. Das AB wurde von den damaligen Tonmeistern als Groß-AB angelegt,
dem man -nicht minder aktuell- vorsichtig ein Centermikrofon beimischte, um das
schon damals bewusst konstatierte 'Loch in der Mitte' (Typikum eines Groß-AB) zu
füllen. Genauso war das auch in Nassenwil beschrieben worden.
Dennoch ist bei genauem Zuhören sehr wohl wahrzunehmen (und das
zweckmäßigerweise nicht ab LP, weil die mit Laufzeitsterofonien ja überfordert
ist, weshalb entsprechend überspielt wird), dass der Flügel AB-typisch labil
-mitunter von links, mitunter von rechts kommend- abgebildet wird.
Die Angaben zur Technik stammen übrigens vom Tonmeister dieser Aufnahme
persönlich (Helmut Krüger; 1905-1996).

2) Die Aufnahme war niemals eine Hörfunk- geschweige denn Plattenproduktion,
sondern eine reine Versuchsaufnahme, die nicht auf handwerkliche Sauberkeit
(weder beim Solisten noch beim Orchester) abzielte, weil damals für eine solche
Aufnahme keinerlei Verwertungsmedium vorhanden war. Die Musiker musizierten
demnach schlicht drauflos, allein für die Forschung, weshalb man sich außer
klanglichen keinen sonstigen technischen Vorgaben verpflichtet fühlen musste.
Daher hatte die Versuchsmannschaft um die Tonmeister Helmut Krüger und Dr.
Ludwig Heck auch strikte zu beachten, dass Stereobänder keinesfalls ins reguläre
RRG-Archiv gelangten.
Dennoch befand sich ein weiteres Stereoband von 1943/44 in den 1990/91 von
Gostelradio, Moskau an den SFB zurückgegebenen, ehemaligen RRG-Archivbeständen.

3) Die Beethoven-Aufnahme ist eine von nurmehr _fünf_ noch heute erhaltenen
Sequenzen der ursprünglich durchaus längeren Reihen (H. Krüger erwähnte mir
gegenüber "etwa 300 Aufnahmen") von RRG-Stereo-Versuchsaufnahmen auf Magnetband,
die bereits 1941 ihren Anfang nahmen. Sie ist damit kulturgeschichtlich(!) eine
Rarität ersten Ranges. Das Original jedoch (77 cm, 6,5 mm, RRG-entzerrt) muss
als verloren gelten; der SFB warf es anfangs der 1960er Jahre -nach der
Überspielung auf 38,1 cm/s- weg, es war also damals noch vorhanden; wie und wo
das Original bis 1962 überlebte, ist bekannt. Wir haben heute aber allein jene
38-er-Kopie, die der frühere SFB (heute RBB) in Obhut hat.

Offline Markus Berzborn

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #9 am: 04. Okt. 2005, 20:10 »
Nun gut, dann besteht im Grunde die einzige relevante Ungenauigkeit darin, dass der Rezensent beim Vortrag in Nassenwil nicht richtig zugehört hat, denn er konnte und kann ja laut eigener Aussage keine Ping-Pong-Stereophonie feststellen.
Ich lese außerdem aus der Rezension nicht unbedingt heraus, dass der "Klang der normalen Pressung nicht überragend" ist. Ich verstehe das vielmehr so, dass den Autor einzelne Aspekte der Aufnahme an sich stören, sonst hätte er ja geschrieben, dass die LP gegenüber dem in Nassenwil vorgeführten Band deutlich abfällt oder ähnliches.

Gruß,
Markus
« Letzte Änderung: 04. Okt. 2005, 22:45 von Markus Berzborn »
Analogbandtechnik von Mechlabor - Nakamichi - Studer - Tandberg - Telefunken - Thurow - Vollmer

Offline Markus Berzborn

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #10 am: 12. Okt. 2005, 18:30 »
Hallo Michael,

Ist die Platte inzwischen eingetroffen?

Gruß,
Markus
Analogbandtechnik von Mechlabor - Nakamichi - Studer - Tandberg - Telefunken - Thurow - Vollmer

Offline MichaelB

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #11 am: 12. Okt. 2005, 18:51 »
Heute kam sie. Da ich immer noch im Büro sitze, kann ich noch nichts sagen ...
Ich hoffe, ich schaffe es heute noch hineinzuhören.

Gruß
Michael

Offline MichaelB

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Re: Label "Varèse Sarabande"
« Antwort #12 am: 20. Nov. 2006, 23:45 »
Ich bin ja noch eine Antwort schuldig: Im Vergleich zum Band ist die Schallplatte enttäuschend. Was aber nicht verwundert. Diese Art der Stereophonie ist keinesfalls geeignet, um sauber in die Rille gepresst zu werden. Für jemanden, der das Band nicht kennt, ist es aber absolut hörenswert.

Gruß
Michael