Autor Thema: Anschlußbuchsen  (Gelesen 7252 mal)

alter_hase2001

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Anschlußbuchsen
« am: 04. Okt. 2005, 07:18 »
Hallo allerseits!

Ich wende mich mal an die Technikspezialisten unter Euch. Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Line in/out- Buchsen, AUX und Phono- Buchsen. Kann mir das mal jemand mit volkstümlichen Worten erklären? Früher war das relativ simpel. Es gab eine DIN- Buchse, die alles "gefressen" hat. Wenn ich z.B. versuche,mein MD-Porti an die Stereoanlage über die AUX- Buchse anzuschließen, dann funktioniert das nicht befriedigend, weil ich den Verstäker der Anlage sehr weit aufregeln muß, um was zu hören. Und was dann zu hören ist, kommt nicht so toll, weil er dann wahrscheinlich schon stark verzerrt. Warum ist das so?

Herzlichst- Jörg.

Offline analogi67

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Re: Anschlußbuchsen
« Antwort #1 am: 04. Okt. 2005, 09:43 »
Lieber Jörg,
das fragt ein "alter Hase" :P

Ja, zu DIN-Zeiten war es ein wenig übersichtlicher. Dann kam Cinch um die Zahl der Strippen wuchs.

Zu Deiner Frage:
Zu unterscheiden bei Verstärken sind
a) sog. Hochpegeleingänge, wie z.B. CD, Tuner(Radio), Tape (Kassettenrecorder)
und
b) Eingänge für einen Plattenspieler, der mittels eines eingebauten (Vor-)Verstärker, die niedrigeren Spannungen auf das Niveau der Hochpegeleingänge anhebt.

"Hochpegel-"eingänge werden entweder wie oben beziffert oder gerade bei Tapedecks mit "Line" = Leitung angegeben. Vom Tapedeck kommend (also das Signal zum Verstärker hin) gehören diese zum "Line-In"= in den Verstärker hinein. Umgekehrt vom Verstärker zu Tapedeck wird ein Signal ausgegeben (daher Line-Out).  "Sichtweise" ist dabei der Blick vom Verstärker in seine "Umwelt". Nachtrag: Die gleiche Sichtweise gilt für das Tapedeck; Tape-Out ist der Signalausgang zum Verstärker, Tape-In kommend vom Verstärker.

Da außer Tapedecks nur Quellgeräte angeschlossen werden (z.B. Radio, CD-Player) ist die Zahl der Line-Out-Ausgänge meist nur mit einem Stereopaar, manchmal auch zwei, sehr selten mehr, beschränkt. Nachtrag: Quelle heißt im englischen "Source": Bei manchem Verstärkern wird Tape-Eingang per Schalter "Tape/Source" umgeschaltet; dabei Tape=Hinterband=Wiedergabe und Source=Vorband=Quellgerät.

"Eingänge" sind  mehrfach vorhanden. Jetzt kann es sein, dass weitere Eingänge benötigt werden, wo mehr als die "übliche" Gerätezusammenstellung mit Plattenspieler, CD-Player, Radio, Tapedeck vorhanden ist. Die Eingänge sind meist vorbeschriftet für ein solch übliche Kombinationen. Wenn nun z.B. ein Videorecorder, ein Fernseher,  ein zweites Radio (z.B. Weltempfänger) o.a. Geräte wie eine Spielkonsole angeschlossen werden soll, ist bei den meisten Verstärkern ein Reserveeingang vorhanden.

Dieser wird oft mit "AUX" = Auxillary = "Zusätzlich/Erweitert/Ergänzt" bezeichnet. Es ist nichts anderes als eine weiterer Hochpegeleingang für ein unbestimmtes Gerät.

Zum "zu leisen" MD: Ich nehme an, es ist ein tragbares. Hat dieser MD einen eigenen "Line-Out" oder wird das  über den Kopfhörerausgang an den Verstärker angeschlossen ? Im letzeren Fall ist relativ sicher mit zu geringen Ausgangspegeln zu rechnen, entsprechend stärker muss der Verstärker das Signal anheben, folglich am Lautstärkeregler weiter aufregeln. Aber auch bei Line-Out-Anschlüssen ist der Pegel oftmals zu gering. Ist bei meinen MD-Porti auch der Fall. Bei Anschluss über den Kopfhörerausgang unbedingt vorher am MD Bässe und Höhen auf Neutral stellen, das kann mit ein Grund für den beklagten schlechten Klang sein, weil bestimmt Frequezen bereits stark angehoben sind und mittels der Verstärkung über den Verstärker diese Höhen- bzw. Tiefenanpassung zusätzlich angehoben wird : Geht zu Lasten der mittleren Frequenzen, das Signal wird brummelig bzw. die Höhen sind zu stark und Dein Verstärker "clippt", d.h. schneidet die Höhen ab und verzerrt das Signal.

Solange ein Verstärker nicht hörbar verzerrt, kannst Du ruhig weiter aufregeln, theoretisch sogar bis zum Endanschlag. Verzerrt er, ist der leidtragende Teil in erster Linie Deine Lautsprecher. Eine geclipptes Signal sorgt für sehr hochfreqente Spitzen, die meist zuerst die Hochtöner an Deinen Lautsprechern beschädigen. Prüfe aber, ob der Verstärker ggf. zu warm wird.

Andere Abhilfe: MD über ein Mischpult oder einen sog. Aufholverstärker anschließen. So was gibt als z.B. bei www.bluthard.de unter der Rubrik "Problemlöser".

Zum DIN-Eingang: Ein Hersteller hält sich hartnäckig noch an den DIN-Anschluss: www.naim.co.uk und Ingo Hansen mit seiner auf Naim basierenden Linie (www.phonosohpie.de). Vorteil des DIN-Anschlusses waren kleine, kompakte Stecker und eine gemeinsame Erde, welche Brummschleifen idR ausschaltet.

Aber auch hier: nur bei Tonbandgeräten (TB) war zweiseitige Signalrichtung zu finden. Alles andere wie TA (Plattenspieler) konnten nur Eingänge sein.

Gruß

Wolfgang




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« Letzte Änderung: 04. Okt. 2005, 10:21 von analogi67 »
Willi Studers Bastelkisten ;)

alter_hase2001

  • Gast
Re: Anschlußbuchsen
« Antwort #2 am: 04. Okt. 2005, 10:43 »
Hallo Wolfgang!
Danke für Deine sehr ausführliche Antwort. Ich glaube, Du hast mir sehr geholfen. Übrigens- das "alter Hase" bezieht sich mehr auf mein Lebensalter. Aber ich bin eben noch lernfähig  :D
Herzlichst- Jörg.