Autor Thema: Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901  (Gelesen 8198 mal)

Offline Michael Franz

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« am: 25. Apr. 2005, 22:44 »
Ein Lautsprecher, der polarisiert:
Die Bose 901, zuletzt in der MK6-Version auf dem Markt. Ab der MKIV gefällt sie mir ;)

9 Breitband-Lautsprecher, 8 davon nach hinten gerichtet, einer nach vorn. Der Frequenzgang wurde mit einem Equalizer gerade gerichtet.

Die Box muss ca. 1m-1,5m von den Wänden weg in einer Ecke stehen,  nutzt den indirekten Schall und erzeugt ein etwas diffuses Klangbild, das aber überall im Raum fast gleich bleibt. Nichts für Leute, die das tibetanische Tempelglöcken auf den mm genau orten wollen, sondern mehr was für Musikhörer.

Sehr belastbar. Wenn man sie statt an den Amp ans 220-V-Netz anschliesst, so bringt sie halt einen 50-Hz-Ton.  ;) Der Hubschrauber in "The End" von den Doors (aus Absolutely Live) landet / startet sehr naturgetreu. Mitten in der Nacht in voller Lautstärke abgespielt, bekommt man immer wieder neugierige Gesichter an die Fenster der Nachbarwohnungen. Auch Kirchenglocken auf Tonträger kommen gut.

Es gibt Experten, die sagen, an diesem Lautsprecher sei alles falsch gemacht worden, was man falsch machen kann. Ich sage: Was so viel Spaß macht, kann nicht ganz falsch sein.


Gegenentwurf:
Quad Elektrostaten ELS 63 z. B.
Wenig Bass, wenig Pegel, aber ein ganz besonderes Erlebnis. Muß man gehört haben.

Offline beutlin

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #1 am: 25. Apr. 2005, 22:47 »
@ Michael Franz:

Kleine Korrektur: "The End" ist nicht auf der DoLP "Absolutely Live" vorhanden! Du meinst wahrscheinlich die Filmmusik zum Film "The Doors"?!

Gruß, Frank
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden...

Offline Michael Franz

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #2 am: 25. Apr. 2005, 22:50 »
oops,
müsste ich recherchieren. Die Platte gehörte meinem Freund und Nachbarn im Studentenwohnheim, gleichzeitig auch Besitzer der Bose. Ich dachte, es wäre die Absolutely Live gewesen - die Filmmusik kann es nicht gewesen sein, den Film gab es anfangs der 80er noch nicht.

Offline beutlin

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #3 am: 25. Apr. 2005, 22:51 »
Bist Du vielleicht bei Pink Floyd "The Wall"?

Gruß, Frank
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Offline Michael Franz

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #4 am: 25. Apr. 2005, 22:53 »
Nein, es waren die Doors.
Muß mal nachfragen, wenn ich mal wieder ein Besüchle mach und man auf die alten Zeiten zu sprechen kommt.

Offline PoeticShot

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #5 am: 25. Apr. 2005, 23:16 »
Hallo Zusammen,

eben schnell mal nachgeschaut- The End ist nicht auf meiner Absolutely Live.

Schöne Grüße
vom Wolfgang
Dieser Wolfgang gleich der PoeticShot Wolfgang  :wink:

Offline Michael Franz

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #6 am: 25. Apr. 2005, 23:21 »
Ja, das hab' ich auch schon rausgefunden. Es muss ich nachfragen, mit was für einer Platte wir da immer die Leute geärgert haben..

Offline PoeticShot

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #7 am: 25. Apr. 2005, 23:26 »
Hallo Michael,

hör doch mal in die Pink Floyd rein [Another Brick In The Wall Part I]- das müsste eigentlich der Hubschrauber sein. Ich könnte mal eben bei den Nachbarn klingeln und nachfragen... :D

Schöne Grüße
vom Wolfgang
Dieser Wolfgang gleich der PoeticShot Wolfgang  :wink:

Offline Michael Franz

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #8 am: 25. Apr. 2005, 23:33 »
Bin mir ziemlich sicher, daß es nicht Pink Floyd war - aber ich werde nachforschen. Nur kann das dauern. Ich telefoniere nicht gern und mein Freund schreibt ungern Mails - so ist das immer schwierig, bis wir uns kriegen. Aber da er mir eine B77 vermittelt hat und mittlerweile 1,5 Jahre drauf wartet, daß ich sie hole, wird es demnächst mal wieder Zeit...

Offline Matthes

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #9 am: 26. Apr. 2005, 00:49 »
Hallo,

ich habe mal meine "The End" Versionen von den Doors angehört, weder in der elfminütigen Studiofassung, noch auf der 18 Minutenfassung "live in New York" startet/fliegt ein Hubschrauber. Bei der Liveversion ist nur einer penetrant mit einer Glocke am Bimmeln. Wenn mein Nachbar dieses Gebimmel mitten in der Nacht in voller Lautstärke hören würde, bräuchte er sich zukünftig keine Zahnbürsten mehr zu kaufen  :D  :D  :D

Irgendwo habe ich allerdings noch eine Liveversion, die muß ich aber erst suchen. Wenn ich sie gefunden habe, werde ich berichten.

Prost
Matthes
Ich höre meine Bänder mit:
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Offline Matthes

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #10 am: 26. Apr. 2005, 01:25 »
Hi,

Ich habe nochmal weiter gesucht, bei der Vancouver Live 1970 ist am Anfang etwas, was im Entferntesten an einen Hubschrauber erinnern könnte:

http://galerie1.magnetofon.de/download.php?image_id=2961

Vielleicht ist es ja das.

Grüße
Matthes
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Offline beutlin

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #11 am: 26. Apr. 2005, 07:14 »
Zurück zu den Lautsprechern:

Ich mag die Bose-Teile überhaupt nicht.

Ein Lautsprecher mit einer "Eigendynamik" und einem "Eigenleben" hat das Prädikat Lautsprecher meiner Ansicht nach nicht verdient.

Bose=Wummern, Künstlich, Nebulös, Nicht-HiFi!

Ich spreche über HiFi in Wohnräumen!

Gruß, Frank
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Offline Michael Franz

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #12 am: 26. Apr. 2005, 10:20 »
Eine "Eigendynamik" entwickelt die Bose sicher nicht - wie sollte sich das denn anhören? Lautes lauter und Leises leiser? Kann eine Box eine "Eigendynamik" entwickeln?

Die Bose 901 muss zwingend richtig stehen, erfordert pro Box eine Ecke mit freien Wänden. Wer das nicht bieten kann, tut sich mit der 901 keinen Gefallen!
Steht die Box richtig, so verblüfft sie mit einem begeisternden Bass. Knallig und impulsiv, wenn es sein muss (BrandX und Stanley Clarke's "Schools Out" waren damals die beliebten Testplatten, auch "Also sprach Zarathusthra" von Richard Strauss) aber auch weich und rund. Das Ganze auch - oberwichtig - bei geringen Lautstärken, wie man sie für's Einschlafen mit Musik wählt. Viele, auch ansonsten gute Lautsprecher, überzeugen hier nicht.

Nachteile der MkIV war ein leichtes Näseln bei Frauenstimmen, der Effekt wurde gerne mit "...klingt wie durch eine Röhre..." beschrieben. Den noch älteren Versionen sagte man das in noch größerem Ausmaß nach. Das wurde bis zur MKVI verbessert. Anfänglich sah ich die Bose als Rock- und Pop-Lautsprecher. Ich hing der Lehre an, ein Lautsprecher müsste jedes Detail räumlich herausarbeiten und festnageln. "... man hört, ob der Cellist im Symphonieorchester ein schmales Handtuch ist, oder korpulent...." so lauteten die Beschreibungen in den Gazetten, denen ich damals noch geglaubt habe. Die 901 bietet nix von alledem. Man fragt sich manches mal, ob das überhaupt Stereo ist. Vergleicht man dann mit dem Original, geht man also ins Konzert, stellt man fest, das die Bose wesentlich naturgetreuer reproduziert als manche analytisch klingende Box, die sich einen Spaß daraus macht, einzelne Details punktgenau an die Wand zu nageln.

So überraschte es mich nicht wirklich, daß immer wieder die 901 genannt wurde, wenn die Frage nach der bevorzugten Box gestellt wurde, und das auch bei Klassikhörern!

Offline beutlin

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #13 am: 26. Apr. 2005, 18:07 »
Hallo Michael,

die Bose 901 ist nicht gerade für einen annähernd glatten Frequenzgang bekannt, sie trägt halt im Bass ein wenig dick auf, das meinte ich mit Eigendynamik.

Wer eine Box mit eingebautem Loudnesseffekt sucht und braucht - bitteschön.

Gruß, Frank
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Offline Uhu

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #14 am: 26. Apr. 2005, 19:03 »
Zitat von: beutlin
@ Michael Franz:

Kleine Korrektur: "The End" ist nicht auf der DoLP "Absolutely Live" vorhanden! Du meinst wahrscheinlich die Filmmusik zum Film "The Doors"?!

Gruß, Frank



Hallo Frank,

wenn mich nicht alles täuscht ist der Hubschrauber auf dem Soundtrack von "Apocalypse Now" untermalt mit dem Lied "The End" von den Doors. Werde am Wochenende mal reinhören, die LP davon habe ich sicher noch zu Hause.

Gruß, Michael

Offline beutlin

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #15 am: 26. Apr. 2005, 21:31 »
Hallo Michael (Uhu),

das stimmt exakt und der Film sowie die Filmmusik stammt aus 1979. Das würde zu Michael Franz zeitlicher Wahrnehmung und akustischer Wahrnehmung passen.

Danke und Gruß, Frank
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Offline PhonoMax

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #16 am: 26. Apr. 2005, 22:13 »
Man muss sich überlegen, was so ein Lautsprecher anstellt, dann sieht man sehr schnell, wo die Ursachen für sein Verhalten zu suchen sind.

Räumliche Tiefe 'erfährt', analysiert der menschliche Gehörssinn (wir lernen das frühkindlich) aus den nicht korrelierten, seitlichen (!) Reflexionen eines Raumes. Sind diese in geeigneter Weise stark, signalisiert unser Ohr, "oha, räumliche Tiefe!!!". Nun ist unser Gehör nicht besonders gut ausgestattet, um Lokalisierungen in den seitlichen Ebenen ("vorne->hinten") zuverlässig durchzuführen, weil dies allein über Klangfarbenveränderungen aufgrund der (individuell!) charakteristischen Ohrmuschelausformung in der Außenohrübertragungsfunktion und damit nicht sehr scharf möglich ist. Es ist demnach ziemlich gleichgültig, woher diese seitlichen Reflexe kommen -das kann auch von vorne sein-, um dem Ohr räumliche Tiefe vorzugaukeln. In dem Moment, in dem es selbst von vorne nicht korrelierte Signale sinnvoller Beschaffenheit hört, sagt es dennoch, "oha, räumliche Tiefe vorhanden!!"

Man muss also seinem zweikanaligen Aufnahmesignal  ausreichend nicht korreliertes Signal zufügen und die Vorstellung räumlicher Tiefe (und damit auch eine gewisse Natürlichkeit) wird sich einstellen.

Dies genau machen die Bose-Dinger, indem sie bestimmte Signalanteile mit einem zeitlichen Versatz über die Wand hinter der Box und die Decke des Abhörraumes an den Hörer tragen. Das Signal wird dadurch einerseits ein wenig dekorreliert andererseits kommen die sonst immer aggressiv vorausschreienden Höhen etwas später beim Hörer an, was der auch 'natürlicher' empfindet.
Dieser Sachverhalt (Gruppenlaufzeit) bedürfte eigentlich eigener Diskussion, was ich aber unterlasse, zumal diesbezüglich sehr viel Mist auf dem Markt gehandelt wird. Die Auseinandersetzung würde daher mal wieder lang, was ich euch erspare.

Die Bose-Boxen und viele vergleichbare Konstruktionen bis heute (selbst die Profiszene der ARD war in den 50ern nicht frei davon: Kugelstrahlerversuche zur Monozeit; die RFZler der DDR gingen aber andere Wege!) fügen also etwas hinzu, was nicht vorhanden ist und letztlich den Aufnahmen der Nachkriegstereofonie auf LP und im Rundfunk (monokompatible Koinzidenzsterofonie hohen Korrelationsgrades) auch tatsächlich fehlte. Die Bose-Boxen (und ihre Geschwister) wirkten dem unbefriedigenden Klang diser Aufnahmen nachträglich ein wenig entgegen.

Sie geben damit aber nicht das wieder, was der Tonmeister mit seinen Kollegen am Mischpult zurechtbastelte. Wenn man nun aber genau das hören will, lässt man am besten die Finger davon. Doch wer will das schon, hüstel....

Der Klangärger mit der CD, den manch einer empfand, hat ja weniger etwas mit der CD zu tun als mit den Klangvorstellungen der Tonmeister seinerzeit, die der Laie plötzlich und unverändert frei Haus geliefert bekam. Nun, man hat tonmeisterseits dazugelernt, was zum Wiederaufstieg des Druckempfängers (vulgo: Kugelmikrofon) und der ihm eigenen Techniken führte. Das war aber 'im Grunde' alles schon 'mal da, unsereins musste das aber erst 'wieder' lernen, denn ich gehöre ja genau diesem Klub an.

Grundsätzlich gilt: Ein Lautsprecher ist ein Lautsprecher und bis heute das mit Abstand schwächste Glied der Übertragungskette. Da hat sich seit gut 60 Jahren eher noch weniger getan als auf dem Sektor der Mikros, die man aber technisch besser überschauen kann.

Was lernen wir daraus? Man lasse sich von den Marketinglern nicht alles erzählen.

Hans-Joachim

Offline beutlin

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Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #17 am: 26. Apr. 2005, 22:21 »
Zitat von: PhonoMax


Sie geben damit aber nicht das wieder, was der Tonmeister mit seinen Kollegen am Mischpult zurechtbastelte. Wenn man nun aber genau das hören will, lässt man am besten die Finger davon. Doch wer will das schon, hüstel....



Danke, Hans-Joachim!

Gruß, Frank
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Offline Agfa-Band

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LP über Bose 901
« Antwort #18 am: 02. Sep. 2006, 10:08 »
Gestern erhielt ich die aktuelle LP-Ausgabe, blätterte sie kurz durch und war spontan nicht so angetan. Dann aber entdeckte ich einen kurzen Artikel über die Bose 901. Er ist zwar mit 3 Spalten überaus kurz gehalten, außerdem ist der größte Teil des Artikels ein Bericht des Hörnachmittages und Anlagenbeschreibung des Gastgebers, aber es wird auch kurz das Prinzip erklärt und ein bisschen was hintergründiges erzählt. Nicht eben neues, aber ich fand es bemekerenswert, dass die Boxen dort besprochen wurden.

Niko
Ich höre mit Dual 1214, Neckermann stereo recorder und Graetz Astrid.

Offline aberwin

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Re: Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #19 am: 14. Sep. 2006, 19:00 »
Hallo allerseits,

als Tonstudio-Betreiber möchte ich mal zu den von Hans Joachim (PhonoMax) gegebenen Erläuterungen einige Takte aus meiner Sicht bezüglich einer Lautsprecherwiedergabe ganz allgemein schreiben. Die Erläuterungen von Hans Joachim und die von ihm genannten Fakten kann ich im wesentlichen aus meiner Sicht als Tontechniker bestätigen. Ich denke allerdings, daß viele Leser nicht das ausreichende Grundwissen zu Schallwandlern haben, um alle technischen bzw. physikalischen Probleme in dieser Sache zu verstehen. Ich will daher das Thema Lautsprecher mal von der einfacheren einprägsameren Seite her kurz ansprechen:

Daß Lautsprecher das schwächste Glied in einer Wiedergabekette sind, wird zwar immer wieder behauptet, ist aber nicht ganz korrekt ausgedrückt. Eigentlich müßte man sagen, daß Lautsprecher die undankbarste Aufgabe in einer Tonübertragungskette haben. Nicht die Technik ist an ihrem Unvermögen im Wesentlichen schuld. Das Problem liegt vielmehr in einem grundsätzlichen Umstand, der in den akustischen Vorgängen vorgegeben ist und sich niemals ändern wird.

Wenn man das elektrische Signal eines Schallereignisses auf einen Lautsprecher gibt, dann bringt dieser Schall die akustische Abbildung eines Raumes mit, die man in einem neuen Raum, nämlich dem Abhörraum mit seinen weiteren akustischen Einflüssen auf das Schallereignis abbildet. Hier liegt die Crux, denn das kann nicht gut gehen, besonders dann, wenn der Abhörraum besonders viel Einfluß auf die Wiedergabe des Lautsprechers (z.B. bedingt durch sein Konstruktions- und Funktionsprinzip) nehmen kann. Die, besonders in der Werbung, viel zitierte und versprochene "originalgetreue" Wiedergabe kann es daher logischer Weise nicht geben. Original ist nur das, was unser Ohr im Aufnahmeraum eines Studios, direkt von der Schallquelle abgestrahlt, hört. Bereits auf der anderen Seite der Glasscheibe im Regieraum des Studios fängt das Problem mit der "Raum im Raum" Darstellung schon an. Jeder Ton der hier am Mischpult gemischt und technisch nachbearbeitet wird, wird unter dem Höreinfluß, den die Akustik des Regieraumes bestimmt, verarbeitet. Das letztlich dann auf einem Tonträger vorliegende Schallereignis (z.B. Musik) wird vom Konsumenten erneut in einem Raum, mit all seinen akustischen Einflüssen, gehört. Um den Gedankengang einfach zu halten, wollen wir die zusätzlich noch möglichen elektrotechnischen Veränderungen des Tonsignals auf all seinen Wegen unberücksichtigt lassen. Ich denke, daß damit jedem klar sein dürfte, daß selbst der neutralste Lautsprecher nicht "originalgetreu" wiedergeben kann. Es macht also keinen Sinn nach einem "vollkommenen" Lautsprecher zu suchen. Es wird ihn nie geben können.

Zu dieser "Raum im Raum"-Problematik kann man einen einfachen, ganz billigen und recht beeindruckenden Versuch machen. Ich will ihn kurz beschreiben: Der Versuch ist in der Praxis leider etwas umständlich, da er draußen im Freien auf einer Wiese, wo es keine Raumreflexionen, also keine Raumakustik gibt, gemacht werden muß.
Wenn man hier ein Schallereignis (z.B. den Klang einer Gitarre) mit einem einigermaßen brauchbaren Aufnahme-Equipment ohne Signalbearbeitung aufnimmt und die Aufnahme anschließend an der gleichen Stelle über Lautsprecher in linearer Verstärkereinstellung und dem Original entsprechender Lautstärke anhört, empfindet man den Klang des Instrumentes verblüffend naturgetreu abgebildet und extrem nahe am kurz vorher gehörten Original liegend. Bei diesem Versuch wird deutlich, wie stark die Klangbeeinflussung durch die in der Praxis übliche "Raum im Raum"-Abbildung ist. Wenn sich der versprochene Höreindruck nicht deutlich einstellt, kann man ziemlich sicher sein, daß der verwendete Lautsprecher einen zu starken "Eigenklang" hat, d.h. mehr oder weniger starke Klangverfärbungen produziert.

Da es also unter praxisbedingten Aufnahme- und Wiedergabeverhältnissen keine "originalgetreue" Abbildung eines Schallereignisses geben kann, sollte man einen Lautsprecher in erster Linie danach beurteilen oder auswählen, wie gut einem seine Abbildungseigenschaften im Verhältnis zu anderen Lautsprechern gefallen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil auch im Aufnahmestudio der Sound einer CD nach dem Geschmack des Tontechnikers oder sonst bestimmender Personen kreiert wird und dabei nicht nach dem naturgetreuen Klang gesucht wird. Produziert wird, was gut ankommt und das ist nicht konstant, sondern verändert sich stetig wie die Schuhmode etc.

Den Klangpuristen unter Euch, sollte klar sein, daß das Klangmaterial, das wir Tontechniker im Studio zurechtbiegen und dann zu Euch hinaus lassen, während der Produktion so viele Veränderungen erfahren hat, daß man, selbst bei der technisch besten Wiedergabeanlage, niemals von der, leider immer wieder versprochenen, "naturgetreuen" Wiedergabe reden kann. Unser stetes Ziel ist es, möglichst schöne Sounds, die trendig sind, zu produzieren. Das gilt seit langem sogar auch für die klassische Musik, denn wirklich "naturgetreu" geht ja (wie erläutert) nicht. Polarisierung also erlaubt !!!???

Herzliche Grüße
Erwin
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Offline kreiserdiver

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Re: Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #20 am: 14. Sep. 2006, 20:07 »
Herlichen Dank Erwin !

Anschaulicher und schöner hätte man es nicht erzählen können.
Prima Beitrag.
Hut ab.

Darum Freunde, hört Eure Musik, wie Ihr sie mögt.
Laßt Euch nichts einreden. Schön ist, was Spaß macht zu hören.
Die 70er Jahre Kenwoods mit 38er Bässen z.B. haben genug Reserven !

Freudige Grüße,

Ralf.
Es begann 1966 mit Philips EL 3516.Heute N4520,Otari,Technics etc. >>Hobby oder Sucht ?

Offline aberwin

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Re: Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #21 am: 15. Sep. 2006, 09:36 »
Hallo Ralf,

freut mich, wenn mein Beitrag so ankommt. Danke für Deine Antwort !

Dein Fazit kann ich voll unterstützen. Die üblichen Philosophien um das Thema Lautsprecher dienen in erster Linie dem Kommerz und enthalten häufig technische Halbwahrheiten. Wie Du schon sagtest - nichts einreden lassen !!!

Her(t)zliche Grüße
Erwin
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Offline WPA

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Re: Ein Lautsprecher, der polarisiert: Bose 901
« Antwort #22 am: 27. Mär. 2010, 15:49 »
...@ Michael Franz,

ich hatte mal die 901 MK II-----bin froh das ich sie los bin...war ja nur ein Klangverbrechen!!!

Gruß

Wolfgang