Autor Thema: Wert von Klassik-Platten  (Gelesen 12192 mal)

Offline Michael Franz

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Wert von Klassik-Platten
« am: 15. Feb. 2005, 18:06 »
Eine, zugegebenermaßen ziemlich pauschale Frage eines Ahnungslosen, was Preise von Klassik-Platten anbelangt.

Mir wurde eine Sammlung angeboten, ca. 750 LPs und ca. 75 Boxen mit 3-6 Platten jeweils.

Leichte Spuren an den Covers, das Vinyl sieht makellos aus. Alles ist ein wenig Karajan-lastig, Zeitraum geschätzt 60er, 70er, 80er, die beiden letzten Decaden bilden den Schwerpunkt.

Es gibt die üblichen Verdächtigen, die es immer gibt (Beethovens 9., Karl Böhm) sowie einige Namen, die ich nie gehört habe, was nichts heissen mag.

Was zahlt man für so ein Konvolut??

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Wert von Klassik-Platten
« Antwort #1 am: 15. Feb. 2005, 18:33 »
Hallo Michael,

wenn 70er und 80er Pressungen sowie Karajan (was keine Wertung sein soll) überwiegen, würde ein Börsenhändler maximal 50 Cent pro Stück zahlen, auf Klassik spezialisierte Plattenantiquariate evtl. etwas mehr.

Solche Platten sind schwer verkäuflich.

Diese Angabe ist ohne Gewähr! :lol:

Es ist immer möglich, daß Klassik-Spezialisten in solchen Konvoluten Sachen entdecken, die aus ihrer Sicht einen höheren Gesamtpreis rechtfertigen.

Gruß, Wolfgang

Offline -Linus-

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Wert von Klassik-Platten
« Antwort #2 am: 15. Feb. 2005, 19:41 »
Das kann gut hinkommen,

Vom geneigten Klassikfreund wird dann im Einzelverkauf ca. das fünf bis zehnfache verlangt. Unverkäufliches wird dann als "Opas Vermächtniss" auf eBay vertickt.
Ne Liste für den Überblick ist schon nicht schlecht.
Da ich selber schon einiges habe würde ich schätzen das nur 10 % für mich persönlich von Interesse wären.

-Linus-

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Wert von Klassik-Platten
« Antwort #3 am: 15. Feb. 2005, 19:59 »
Zitat von: -Linus-
Vom geneigten Klassikfreund wird dann im Einzelverkauf ca. das fünf bis zehnfache verlangt.

Hallo Linus,

da hast Du Recht! Das hört sich nach Abzocke an, ist es aber nicht. Der Grund ist, daß die wenigen verkauften Platten den kompletten Kauf finanzieren müssen, dazu die Nebenkosten.

Du könnest jetzt entgegnen, bei niedrigeren Verkaufspreisen könnten mehr Platten verkauft werden. Ist aber leider nicht so, jedenfalls nicht in dem Ausmaß, das erforderlich wäre.

Fiktives Beispiel:

Bei einem VK-Preis von 5 Euro werden auf einer Börse 5 LPs verkauft, macht 25 Euro Umsatz.

Würde der Händler nur 3 Euro verlangen, würde er aller Erfahrung nach 20% mehr verkaufen, also 6 LPs, macht nur noch 18 Euro Umsatz. :cry:

Bei dieser Rechnung muß dann noch die Standgebühr von, sagen wir mal, 20 Euro berücksichtigt werden, von Benzin- und sonstigen Kosten ganz zu schweigen.

Vestehst Du jetzt, warum diese auf den ersten Blick irre Spanne sein muß? Andernfalls könnte der Händler Klassikplatten (und sonstige schwer verkäufliche) überhaupt nicht anbieten.

Kannst mir glauben, ich war viele Jahre lang in diesem Bereich aktiv (habe aber Klassik schnell aufgegeben, weil ich dauernd zubuttern mußte). :)

Gruß, Wolfgang

Offline Markus Berzborn

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Wert von Klassik-Platten
« Antwort #4 am: 15. Feb. 2005, 22:35 »
Dieses extreme Auseinanderklaffen der Preise bei Klassik-LPs ist m.E. damit zu erklären, dass der "normale" Klassik-Hörer spätestens seit Ende der 80er auf CD umgestiegen ist. Wer heute noch Klassik-LPs kauft (wie ich z.B.), der tut dies aus klanglichen Gründen und will dann auch immer die beste Version haben - also beispielsweise eine amerikanische RCA LSC shaded dog und nicht die gleiche Aufnahme als deutsche Pressung aus dem Bertelsmann-Buchclub. Das führt dann dazu, dass einige wenige Klassik-LPs preislich völlig abgehoben sind, während die große Masse für'n Appel und n'Ei verscherbelt wird.

Gruß,
Markus
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Wert von Klassik-Platten
« Antwort #5 am: 15. Feb. 2005, 22:47 »
Hallo Markus,

völlig richtig! Das Problem dabei für den Händler ist, daß er im allgemeinen komplette Sammlungen aufkaufen muß. Darin finden sich meist wenige solcher gesuchter Sachen, und der überwiegende Teil ist schwer verkäuflich.

Aber auch vor der CD-Zeit war der Secondhand-Markt für Klassik schwierig.

Gruß, Wolfgang

Offline beutlin

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Wert von Klassik-Platten
« Antwort #6 am: 15. Feb. 2005, 23:06 »
Warum war der Klassik-Markt auch vor Einführung der CD schwierig?

Kann es auch daran gelegen haben, dass sich - selbst bei Desinteresse - in fast jeder Rock-Sammlung auch die Klassik-Klassiker befinden mussten, die heute niemand mehr nachfragt?

Oder war es bei der Klassik immer auch eine Frage der Interpreten, der Interpretation (ist nicht das gleiche)?

Andererseits ist das Knistern von LPs (es ist nicht ganz zu vermeiden) gerade bei Klassikaufnahmen mit Ihrer Dynamik z.T. als sehr störend aufgefallen, was sich bei Verwendung von CDs ausschalten lässt.

Auch ich besitze sowohl das eine als auch das andere, aber vielleicht sollte man nicht von sich auf andere schließen...

Gruß, Frank
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden...

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Wert von Klassik-Platten
« Antwort #7 am: 15. Feb. 2005, 23:18 »
Hallo Frank,

es gab bei Klassik-Käufern einfach weniger Leute, die bereit waren, eine gebrauchte Platte zu kaufen. Ist ja irgendwie auch verständlich. Bei z.B. Black Sabbath fällt ein kleiner Kratzer weniger störend auf als bei einer Klaviersonate. :roll:

Außerdem ist der Anteil an gut betuchten Zeitgenossen, die auf die Geldersparnis beim Gebrauchtkauf verzichten können, im Klassikbereich nach meiner Erfahrung höher.

Gruß, Wolfgang

Offline kreiserdiver

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Wert von Klassik-Platten
« Antwort #8 am: 16. Feb. 2005, 16:48 »
... weil die Rocker das gesparte Geld für Bölkstoff (Jargon für "Alkoholika") ausgeben  :o  :lol:  :o
Es begann 1966 mit Philips EL 3516.Heute N4520,Otari,Technics etc. >>Hobby oder Sucht ?

Offline -Linus-

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Wert von Klassik-Platten
« Antwort #9 am: 16. Feb. 2005, 16:50 »
Die Ankaufspreise für Rock/Pop... werden auch nicht höher liegen.
 
Aber mal nen Tip:

Die Regale mit ner guten Digicam ablichten und die Bilder einstellen.
Vielfach kann man die Titel am LP-Rücken, und insebesondere bei den Boxen dann noch gut lesen.
Dann kann ich eher sagen ob heiß oder kalt.
Die 20. Beethovensymphonien und die 50. Nachtmusik reissen sicherlich keinen mehr vom Hocker.

-Linus-

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Wert von Klassik-Platten
« Antwort #10 am: 16. Feb. 2005, 18:54 »
Zitat von: kreiserdiver
... weil die Rocker das gesparte Geld für Bölkstoff (Jargon für "Alkoholika") ausgeben  :o  :lol:  :o


YO Ralf! Prost!

Offline michel_k

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Re: Wert von Klassik-Platten
« Antwort #11 am: 05. Okt. 2005, 22:10 »
Hallo, ich würde gerne diesen Thread mal wieder aufwärmen.
Habe im allgemeinen Ebay-Fieber auch mal bei meiner Mutter gestöbert und mal wieder einige Platten entdeckt, die dort schon ewig liegen. Dabei handelt es sich um die Plattensammlung eines alten Herrn der der Nachbar meiner Großmutter und so weiter und so weiter. Jedenfalls viele Klassikplatten aus wirklich alten Tagen. Ich hatte mir jetzt mal wahllos welche gegriffen um hinter deren Geschichte zu kommen. Meistens aus den ´50 in einem Zustand der mich vermuten läßt das die nie auf einem Plattenteller gelegen haben oder mit Samthandschuhen angefaßt wurden. Bin fast vor Scham über den Zustand meiner eigenen, neuen Platten im Boden versunken.

Was macht man jetzt mit sowas??

Um sie bei Ebay zu verschleudern habe ich eigentlich zu viel Ehrfurcht vor dem Alter der guten Stücke. Außerdem habe ich keine Ahnung was das jetzt noch Wert sein könnte oder wie man jemanden findet der eine gute Anlage hat und so Platten auch zu Schätzen weiß, wenn es denn da etwas zu Schätzen gibt.

Wer da alos ein paar gute Ratschläge hat, immer raus damit.
Ich nehme sie gerne an.
Micha

Jürgen Heiliger

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Re: Wert von Klassik-Platten
« Antwort #12 am: 05. Okt. 2005, 22:29 »
Hallo Micha,

dann mal Herzlich Willkommen in unserem Forum und schön dass Du zu uns gefunden hast.

Vielleicht wäre es ja einmal interressant zu erfahren welche Platten in dieser Sammlung sich befinden, dann ließe sich auch eher etwas über den Wert der Sammlung sagen.

Vielleicht findet sich auch hier im Forum ein Interessent für die Platten, und sie hätten einen würdigen Ort gefunden.

Gruß
Jürgen

Offline michel_k

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Re: Wert von Klassik-Platten
« Antwort #13 am: 05. Okt. 2005, 22:59 »
Tja also vor mir liegt im Moment:

- Saint Saens - Samson and Delilah Rise Stevens, Mario del Monaco
Metropolitan Opera Orchestra and Chorus - Living Stereo/RCA LSC-2309-B Red Seal
Cover nicht ganz so toll, liegt aber wohl am Hochglanzdruck
- Johann Strauss-Die Fledermaus 1959 Verlagsgesellschaft W. Schlösse BestellNr 39/1148 Europäischer Phonoclub - Verdammt dicke Platte
- Der Wildschütz - Eurodisc - 70214 KR Aufgenommen 14.03.1963 in Berlin
- Verdi -Ein Maskenball Eurodisc - Stereo 86 812 KR - R. Schock - Tolle Hülle mit Ausschnitt und dahintergelegter Einlage
- Callas - Luccia di Lammermoor BOX - Columbia Stereo - mit Inlet - Box hat etwas gelitten

Wie schon geschrieben, die Platten sehen für mich aus wie am ersten Tag, traue mich eigentlich kaum sie auf den Teller zu legen.
So in der Art geht das noch fast endlos weiter. Habe mit nur zehn Platten mitgenommen und es ist bestimmt fast ein ganzer Meter.
Ich befürchtefast,  ich komme um eine Katalogisierung nicht drumherum.
Es ist viel von Opera dabei und ich habe so gar kene Ahnung. Habe jetzt nur mal gelesen, das die alten Pressungen Qualitativ besser sein sollen, als neue. Stimmt denn sowas wirklich? Ich als Silberscheiben- und Computerfan kann mir eigentlich nicht vorstellen, das Analog besser ist. bin aber extrem lernfähig.
Gruss Micha

Offline Markus Berzborn

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Re: Wert von Klassik-Platten
« Antwort #14 am: 05. Okt. 2005, 23:43 »
Hallo Micha,

Einen größeren (finanziellen) Sammelwert haben die von Dir aufgeführten Platten nicht.
Du fragst: "Was macht man jetzt mit sowas?". Ganz einfach: Auflegen und einfach mal reinhören, ob Dir etwas davon gefällt.  :lol:
Dass alte LPs generell besser klingen als neue, kann man so nicht sagen. Es gibt einige alte Klassik-LPs, die wirklich herausragend sind, das ist aber bei weitem nicht die Mehrheit der Platten. Der Sammler weiß das natürlich und honoriert dies durch entsprechende Preise.   

Gruß,
Markus
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